1. August Demo

Auf der ganzen Welt gehen verschiedenste Bewegungen auf die Strasse, um mit der Geschichte von Jahrhunderten der andauernden Unterdrückung abzurechnen. Der 1. August stellt den Feiertag der Schweizer Nation und dessen Geschichte dar. Ein Tag, der vom Staat willkürlich ausgewählt wurde, um den Gründungsmythos durch den sogenannten Rütlischwur zu erschaffen. Eine Geschichte, die für Gewalt, Ausbeutung und Unterdrückung steht. Deswegen auf zur Demo gegen den Mythos Schweiz.

Sklaverei
Obwohl die Schweiz nie eine Kolonialmacht war, so hat sie dennoch bedeutend von der Sklaverei profitiert. Verschiedene Handelshäuser beteiligten sich direkt oder indirekt bei der Sklaverei oder bei der Plünderung von Rohstoffen (z.B. Kaffee oder Baumwolle). Auch gab es zahlreiche Schweizer Söldner, welche in kolonialen Eroberungszügen mitkämpften. Nebst der wirtschaftlichen Ausbeutung beteiligten sich verschiedene Schweizer Institutionen (z.B. Universitäten) und Einzelpersonen an der Erarbeitung von Rassentheorien, welche die ideologische Grundlage der Sklaverei darstellte. So ist bis heute der Agassiz Horn in den Berner Alpen nach Louis Agassiz, einem Rassentheoretiker, benannt. Bis in die 60er Jahre gab es in der Schweiz noch sogenannte Völkerschauen, bei der «fremde und exotische Völker» in Zoos und im Zirkus ausgestellt wurden.

Antisemitismus
Durch zahlreiche Sondergesetze wurden Jüd*innen über Jahrhunderte unterdrückt. So war es beispielsweise verboten zu arbeiten, die Religion offen auszuüben oder sich an bestimmten Orten aufzuhalten. Häufig wurde Jüd*innen vorgeworfen die Brunnen zu vergiften oder die Pest zu verbreiten, was regelmässig in Folter und Mord endete. Als die ersten Rassentheorien entwickelt wurden, wurden auch Jüd*innen als minderwertig eingeordnet. Während den beiden Weltkriegen war der Antisemitismus auch in der Schweiz weitverbreitet. So galten für Jüd*innen in dieser Zeit härtere Bedingungen zur Einwanderung, Niederlassung und Einbürgerung. Der staatliche Höhepunkt war das Abkommen der Schweiz 1938 zur Kennzeichnung der Pässe jüdischer Personen mit Nazideutschland und Österreich. «Flüchtlinge aus Rassengründen» wurden fortan an der Grenze abgewiesen, was den Tod zehntausender Jüd*innen in den Konzentrationslagern bedeutete.

Antiziganisimus/Verdingung
Armee, Kranke, Arbeitslose oder Menschen, welche nicht der Norm entsprachen, wurden von der Gesellschaft oftmals geächtet. Der Staat sah sich in der Rolle den Lebensstill dieser Leute einzudämmen. So wurden die Kinder fremdplatziert und unter «normalen» Bedingungen neu erzogen. Die sogenannte Verdingung hatte zur Folge, dass hunderttausende Kinder staatlich fremdplatziert wurden. Besonders hart betroffen waren Kinder von Fahrenden wie beispielsweise den Jenischen. Die Verdingkinder wurden als billige Arbeitskraft ausgebeutet. Der Alltag war geprägt von Prügel und Bestrafungen bis hin zu Folter, Vergewaltigung und Mord. Auch die Rassentheorie hatte Einfluss auf die Verdingung der Kinder und es kam zu Zwangssterilisationen, um die Ausbreitung negativer Gene zu unterbinden.

Patriarchat
Bei den sogenannten Hexenprozessen wurden vor allem Frauen bezichtigt Hexen zu sein. Diese wurden unter Folter zu Geständnissen für Naturkatastrophen, einer schlechten Ernte oder Krankheiten verantwortlich gemacht. Auf dem Gebiet der Schweiz gab es auffallend viele Hexenprozesse. Auch eine, der letzten Hexenprozesse in Europa fand ganz legal in der Schweiz statt. Ob beim Wahlrecht, der Lohngleichheit, der Legalisierung von Verhütungsmittel, Abtreibungsrechten oder Benennung häuslicher Gewalt – die patriarchale Verankerung im Staat sass in der Schweiz stets besonders tief.
Diese Liste lässt sich noch ins Unendliche fortführen.

Die Geschichte der Schweiz ist geprägt von Spaltung, Unterdrückung und Gewalt. Deswegen haben wir am 1. August nichts zu feiern. Den Staaten dienen nicht uns und unseren Bedürfnissen, sondern denken in Konstrukten von Macht und Konkurrenz. Wir aber wollen eine solidarische und herrschaftsfreie Welt. Deswegen auf zur Demo: 16.00 Uhr, Bahnhofplatz Bern