• Zeit bis zum Frauen*streik
    Mehr Infos unter: anarchistisch.ch/frauenstreik

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Kurzbericht & Flyer 4. Klimastreik

15. März 2019 / Schätzungsweise 10`000 Menschen beteiligten sich heute am #Klimastreik in Bern. Besonders erfreulich war dabei die vielfältige Präsenz anarchistischer Ideen durch diverse Flyer, Fahnen und Transparente. Trotz der hohen Beteiligung war die offizielle Demoroute vom Waisenhausplatz über den Viktoriaplatz, dem Aaargauerstalden und der Altstadt wenig sichtbar. Deswegen formierte sich spontan eine unbewilligte Nachdemo, welche vom Waisenhausplatz zum Bahnhof über die Länggasse zur Reitschule zog. Der nächste Klimastreik für den April wurde bereits ausgerufen. Vergessen wir nicht, dass demnächst (am 14. Juni) auch der Frauen*streik vor der Tür steht. Anbei findest du noch unseren Flyer, den wir heute zu Hunderten verteilt haben:

Anarchistische Perspektive zur Klimakrise
In den letzten Monaten gingen Tausende Menschen auf die Strassen Europas und zeigten, dass eine breite Klimabewegung über die Grenzen hinweg möglich ist. Durch unterschiedlichste Aktionsformen erreichten sie, dass der Klimawandel wieder in allen Formen diskutiert wird. Das Anliegen kennen wir mittlerweile alle: für eine lebenswerte Zukunft muss der Klimawandel gestoppt werden!
Nun sind auch wir hier auf der Strasse. Auch wir kämpfen für die Zukunft. Für eine Zukunft, die jedem Lebewesen auf diesem Planeten eine Lebensgrundlage bietet. Falls du dich mit uns in Verbindung setzen willst, erreichst du uns unter: agb@immerda.ch

Leere Versprechungen
In der Schweiz werden Forderungen laut, die Regierung solle ihrer Verantwortung nachkommen und den symbolischen Klimanotstand ausrufen. Sie solle Gesetze und Verordnungen erlassen, um das Verhalten der Menschen in klimaschonendere Bahnen zu lenken. Damit soll die Bevölkerung auf das Problem aufmerksam gemacht und Handlungsdruck für Verhaltensveränderungen aufgebaut werden. So weit, so gut. Nur, bei solchen Massnahmen kann nicht von einer konsequenten Bekämpfung des Klimawandels die Rede sein. An den unzähligen Treffen der Staatsoberhäupter*innen werden stets neue Verträge beschlossen, mit denen neue wirksame Mittel im Kampf gegen die Klimakatastrophe versprochen werden. Dass kaum was davon umgesetzt wird, hat System.

Weil wir weltweit in einer Wirtschaftsform leben müssen, die als einziges Ziel nur die Profitvermehrung kennt, wird es unmöglich sein, klimaverträgliche Lösungen zu finden. Klimaschutz verträgt sich nicht mit Konkurrenzkampf, Druck, möglichst billig zu produzieren und ausuferndem Gewinnstreben. Firmen im Kapitalismus sind darauf angewiesen, Ressourcen möglichst billig zur Verfügung zu haben, um so einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Dabei herrscht kurzfristiges Denken vor, weil im Kampf um schneller, besser, billiger, nicht weit in die Zukunft geplant wird. Überlegungen zu Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz haben wenig Platz.

Daraus folgt, dass ein wirksamer Klimaschutz nicht möglich ist, ohne die Wirtschaftsform und die demokratischen Möglichkeiten zu verändern. Dafür ist die heutige Staatsform zu stark von der (nationalen) Wirtschaft abhängig. Der Staat sieht sich in der Pflicht, die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Wie in der Wirtschaft agiert er in Konkurrenz zu anderen Nationen und will durch stetiges Wachstum im Konkurrenzkampf bestehen. Deswegen wird es nie im Sinne des Staates sein, aus irgendwelchen Gründen (z.B. im Sinne des Klimaschutzes) die gängige Wirtschaftspraxis zu riskieren oder grosse Reformen anzustossen. Doch genau dies wäre unabdingbar für ein Abwenden der Klimakatastrophe. Wir sollten also keineswegs die Lösung des Klimaproblems den Regierenden anvertrauen. Vielmehr sind wir gefordert, die Rettung des Planeten in unsere eigenen Hände zu nehmen.

Widerstand
Menschen, die den Ausverkauf der Erde nicht zulassen wollen und in den Widerstand treten, gibt es Viele. So haben 2016 Aktivist*innen in Nordamerika gegen den Bau der Dakota Access Pipeline mit wilden Besetzungen und Blockaden protestiert. Der Bau dieser Pipeline quer durch Nordamerika steht im Widerspruch zu einer zukunftsfähigen Klimapolitik, da der Bau das Grundwasser verschmutzt und nur dem einfacheren Transport der endlichen Ressource Erdöl dient. Unterstützt wird der Bau von diversen Banken, darunter auch die Credit Suisse, die 850 Millionen Dollars beisteuerte.

Ein weiterer antikapitalistischer Klimaprotest spielte sich letztes Jahr im Hambacher Forsts in Deutschland ab. Dank dem Einsatz von Tausenden mutigen Aktivist*innen konnte verhindert werden, dass ein einzigartiger Urwald den Gewinninteressen einer Kohlefirma zum Opfer fiel. Mit einer 6-jährigen Besetzung und einer grossen Basisbewegung, konnte im entscheidenden Moment die Zerstörung des Waldes abgewehrt werden. Trotz massiver Repression seitens der Behörden, unter Zusammenschluss von Regierung und Kohlebaufirma, konnte der Protest starke Wirkung entfalten.

Eine weitere bekannte Protestbewegung ist die die No-TAV in Norditalien. Dort organisieren sich, seit Jahren, erfolgreich Hundertausende gegen den Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke zu Lasten der Natur.
An vielen anderen Orten werden Protestversuche bereits in der Anfangsphase von den Regierungen gewaltsam niedergeschlagen.
Diese und weitere Erfahrungen zeigen, dass Veränderungen erkämpft werden müssen. Deshalb sollten wir damit aufhören, Bittschriften zu verfassen. Eine nachhaltige Verbesserung der Situation können wir nur durch radikale Formulierung und direkte Aktion erreichen.

Konsequente Herangehensweise
Wir als Anarchist*innen wollen eine Ökonomie, welche nicht nach Profit strebt, sondern sich an den Bedürfnissen Aller orientiert. Unsere Kämpfe sind global zu verstehen, richten sich also an alle Menschen der Erde. Nationale Grenzen halten uns nicht auf. Wir wollen ein Ende des Kapitalismus und der Autorität. In Bezug auf den Klimawandel lehnen wir es ab, dass wenige Menschen darüber entscheiden können, wie das Fortbestehen unserer Erde aussehen soll. Deswegen stellen wir uns gegen die heutige Staatsform und deren Abhängigkeit von der Wirtschaft. Auch sind wir nicht damit einverstanden, dass der Schutz des Eigentums dazu führt, dass einige wenige Menschen einen Grossteil des Planeten besitzen (Boden, natürliche Ressourcen, finanzielle Mittel, etc.). Dies ist unseres Erachtens ein grundlegendes Hindernis für einen konsequenten und wirksamen Klimaschutz.

Darum…
…lasst uns weiter zusammenkommen, lasst uns geschlossen weiter streiken. Lassen wir uns nicht von den Versprechungen der Politiker*innen und der Eigentümer*innen blenden, sondern nehmen wir den Wandel selbst in die Hand. Auf dass wir in der Lage sind, die Klimakatastrophe abzuwenden!
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