Die Welt ist im Umbruch, aber leider nicht zum Guten. In der seit Jahren anhaltenden kapitalistischen Krise haben die Herrschenden in Autoritarismus und faschistischen Bewegungen Verbündete gefunden. Was vor einigen Jahren in den Parlamenten als Rechtsrutsch begann, ist heute weltweit im Alltag spürbar: Gelder für soziale Institutionen werden gestrichen, während massiv in Wirtschaft und Militär investiert wird. Die Migrations- und Asylpolitik wird zunehmend verschärft. Diskriminierungsformen wie Queerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Ableismus sind längst kein Tabu mehr.
Weltweit legen sich Regierungen das System so zurecht, dass sie ihre autoritären, teils postfaschistischen Vorstellungen durchsetzen können:
- In Ungarn wurde die gleichgeschlechtliche Partnerschaft kriminalisiert und die Ehe für alle per Verfassung verboten. Queere Menschen werden so gezielt ausgeschlossen, weil sie das Bild der traditionellen, heterosexuellen Familie bedrohen sollen.
- In Italien regiert eine Partei, die ihre Wurzeln direkt im Nachkriegsfaschismus hat. Geflüchtete werden kriminalisiert und Seenotrettung unter Strafe gestellt, weil Migration als kulturelle Bedrohung inszeniert wird.
- In der Türkei werden die kurdische Bevölkerung verfolgt, ihre Oppositionsparteien verboten und Journalist*innen inhaftiert, weil jegliche Opposition zur inneren Bedrohung erklärt wird, um so den Repressionsapparat weiter auszubauen.
- In Indien werden muslimische Menschen, Sikhs, Dalits, Adivasi und weitere marginalisierte Gruppen systematisch ausgegrenzt und zunehmend Gewalt ausgesetzt, während Modi als unfehlbarer Anführer einer ethnisch reinen Nation inszeniert wird, der jeden Widerspruch als Verrat an Indien umdeutet.
- In den USA wird Migration gezielt mit Kriminalität und Terrorismus gleichgesetzt. Menschen ohne Papiere, aber auch People of Color generell, werden zur Bedrohung erklärt, weil sie das Bild einer weißen, christlichen Nation in Frage stellen sollen.
- In Argentinien wurde der Sozialstaat per Dekret zerschlagen, weil Armut in der neoliberalen Logik immer selbstverschuldet sein soll.
- In El Salvador wurden unter dem Deckmantel von Sicherheit und Ordnung Masseninhaftierungen durchgeführt. Arme, junge Menschen aus marginalisierten Gemeinschaften werden pauschal kriminalisiert, weil sie als störend für die öffentliche Ordnung gelten sollen.
- In Russland wurde die queere Bewegung zur extremistischen Organisation erklärt und queere Identität faktisch verboten. Queere Menschen werden zur inneren Bedrohung stilisiert, weil sie angeblich westliche Dekadenz verkörpern sollen. Gleichzeitig sterben ethnische Minderheiten überproportional in einem Angriffskrieg, den sie nie gewählt haben, weil bestimmte Leben in der Logik des Regimes schlicht weniger wert sind.
- Im Senegal wurden die Strafen für gleichgeschlechtliche Beziehungen auf bis zu zehn Jahre Haft verdoppelt, weil queere Menschen zum Symbol eines angeblichen westlichen Komplotts gegen „afrikanische Werte“ gemacht werden sollen.
- In Israel werden Dörfer von rechtsextremen Siedlern angegriffen und aktiv unterstützt von einem Staat, der durch Siedlungsbau, Enteignungen und militärische Gewalt selbst systematisch mordet. Palästinenser*innen, Beduin*innen und andere Minderheiten sollen verschwinden, weil ihre Anwesenheit die Vision eines ethnisch definierten Staates stört.
- Im Iran werden Frauen per Gesetz zur Verschleierung gezwungen, aus Universitäten und Berufen ausgeschlossen, verhaftet, gefoltert und getötet. Sie werden zur Bedrohung erklärt, weil die angestrebte Selbstbestimmung als Angriff auf die gottgegebene Ordnung inszeniert wird.
Der autoritäre Umbau ist in all diesen Ländern kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein laufender Prozess, der weitergeführt wird. Gleichzeitig sind viele weitere Länder auf dem Weg dorthin: Parteien, die dieselbe Sprache sprechen, dieselben Feindbilder bedienen und dieselben Methoden anwenden, gewinnen überall an Boden. Diese Regime und Strömungen agieren nicht isoliert, sondern lernen voneinander, bestärken sich gegenseitig und sind global vernetzt.
Vieles davon ist nicht neu. Und allzu oft fehlten in den letzten Jahren die grossen Antworten, dem etwas entgegenzusetzen. Die Weltlage beschäftigt viele von uns, lähmt, überfordert oder macht wütend. Die Entwicklung zu mehr Autoritarismus ist längst auch lokal spürbar.
Eine Punkband hat mal gesungen: «Es ist nicht unsere Schuld, dass sie Welt ist, wie sie ist.» Aber es liegt an uns, dass sie nicht so bleibt. Dass es wieder selbstverständlich wird, Queerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Ableismus im Alltag zu bekämpfen.
Dass es wieder selbstverständlich wird füreinander einzustehen. Dass wieder selbstverständlich ist eine starke antifaschistische Bewegung zu haben, welche sich dem Autoritarismus und Faschismus entgegenstellt. Kurz gesagt: eine andere, herrschaftsfreie Welt entsteht nicht von allein, sondern braucht uns alle.
Deswegen komm am 30.05.26 mit uns auf die Strasse, selbstverständlich Antifa – Heute und für immer.
15 Uhr Bahnhofplatz, Bern
















