Wann
Wo
Breitsch Träff, Bern
Veranstaltungstyp
https://www.facebook.com/events/326981584322438/
ArbeiterInnengeschichten – Vom Asbest zur „Flucht der Gehirne“
Diskussionsnachmittag mit Alberto Prunetti über ArbeiterInnengeschichten von gestern und heute.
Amianto. Una storia operaia ist im Frühjahr 2014 erschienen. Alberto ist in Piombino, in der Nähe von Livorno, 1973 geboren. Sein Vater war Schweisser und Rohrleger. Amianto ist die Geschichte von Vater Renato, einem Arbeiter, der in der Nachkriegszeit aufgewachsen ist und mit 14 Jahren das erste Mal seinen Fuss in die Fabrik setzte; einem Arbeiter, der Elektroden in tausend Funken neben gigantischen Öltanks auflöste. Während seines ganzen Lebens hat er Zink, Blei und viele weitere toxische Produkte eingeatmet, bis einmal eine Asbestfaser den Weg in seine Lunge fand. Als er endlich in Rente gehen durfte, hat diese Faser begonnen, seine Zellen anzugreifen und Zerebralschäden zu produzieren, die Renato nicht mehr «zusammenschweissen» konnte.
Alberto Prunetti ging es in erster Linie nicht darum, mit der Biographie seines Vaters die Familiengeschichte nachzuzeichnen. Um die Klage einreichen und somit eine wenn auch nur symbolische Anerkennung des Asbesttodes von Renato erzwingen zu können, musste er eine detaillierte Berufsbiographie seines Vaters vorlegen. Und so wurden die Recherchearbeiten für Amianto zu einem Streifzug durch die Erinnerungen der Stahlwerke von Piombino und Taranto, der ligurischen Raffinerien, und der Werke von Casale Monferrato, der sonntäglichen Fussballspiele und des durch die zermürbende Arbeit von Renato zerrissenen Familienlebens. Amianto. Una storia operaia ist ein proletarisches Lexikon, die Geschichte einer ganzen Generation von FabrikarbeiterInnen, eine Sammlung sarkastischer Anekdoten der Welt der ArbeiterInnen, ein proletarisches Epos, aber auch eine Untersuchung, welche eine gesellschaftliche Wunde öffnet – ein furchterregendes und wunderschönes Buch zugleich.
Über vergangene ArbeiterInnengeschichten zu sprechen bedeutet für uns auch, Instrumente zu entwickeln, um gegenwärtige Geschichten von vielen Frauen und Männer zu verstehen, die auf einem regelrechten „Weg der Hoffnung“ den süden Europas verlassen und in den Metropolen Europas (Barcelona, London, Berlin, Zürich) Arbeit suchen. Dieser heute als „Flucht der Gehirne“ bezeichneter Exodus entpuppt sich oft als eine Arbeitsmigration, die den vergangenen ArbeiterInnengeschichten sehr ähnlich ist: Schuften bis zum Unfallen in Restaurants, Call-Centern und Fabriken der modernen Globalisierung. Wer sind diese jungen Frauen und Männer nun aber genau?
Über all das und vieles mehr wollen wir gemeinsam diskutieren!
Programm:
16.00 Uhr: ArbeiterInnengeschichten von gestern und heute – Vom Asbest zur „Flucht von Gehirnen“ mit Alberto Prunetti (italienisch mit deutscher Übersetzung)
19.00 Uhr: VoKü
20.30: Musik, Austausch, Diskussion
















