*Triggerwarnung Suizid
Mitte Mai bezeichnete der Oberste Richter Indiens arbeitslose Jugendliche und protestierende Aktivistinnen als „Parasiten“ und „Kakerlaken“. Kurz darauf entstanden zahlreiche Memes und auf Social Media entwickelte sich eine regelrechte Bewegung. Eine neugegründete Spasspartei und deren Instagram-Kanal überholte die Follweranzahl der hindufaschistischen Regierungspartei BJP. Bald ging die Bewegung auch ins echte Leben über und ist mittlerweile Teil von landesweiten Protesten.
Grund dafür ist die Wiederholung einer landesweiten Prüfung für Medizin-studentinnen, nachdem bekannt wurde, dass die Prüfungsfragen teilweise öffentliche waren. Die Prüfung sind für über zwei Millionen Studentinnen sozusagen lebenswichtig. Jährlich gibt es knapp 150`000 freie Plätze. Familien verschulden sich, um die Vorbereitungskurse zu bezahlen. Der neuerliche Druck führte dazu, dass sich mindestens ein Dutzend Personen das Leben nahmen.
Das Land ist seit Jahren von Korruption geprägt. Die Arbeitslosigkeit bei Hochschulabsolvent*innen liegt teilweise bei 40 %. Wer keine Uni abschliessen kann, ist vom sozialen Aufstieg sowieso ausgeschlossen. Die aktuellen Proteste sind auch eine Antwort auf die neoliberale Politik Modis.
Am 6. Juni begannen die ersten Sitzstreiks in Neu-Delhi. Drei Wochen später trat Sonam Wangchuk in den Hungerstreik. Als die Polizei ihn Mitte Juli gegen seinen Willen ins Krankenhaus brachte, kippte die Stimmung endgültig. Am 20. Juli zogen mehr als 10`000 Menschen zum Parlament. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein, einige Demonstranten warfen Steine und kippten Polizeifahrzeuge um. Die Proteste haben sich längst ausgeweitet und nach Delhi auch Mumbai, Bengaluru, Kolkata, Patna, Hyderabad, Lucknow, Guwahati und ein Dutzend weitere Städte erreicht. Unter-stützer*innen aus der Bevölkerung bestellen den Demonstrierenden per Lieferapp Essen an die Proteste.
Bereits in Sri Lanka (2022), Bangladesch (2024) und Nepal (2025) gab es ähnliche Proteste, die dazu führten, dass die Regierungen gestürzt wurden. Trotz massiver Sozialprogramme hat es Modi nicht geschafft, die soziale Ungleichheit in Indien zu lösen. Stattdessen werden wichtige Sektoren im Land weiter-privatisiert. Um von den sozialen Problemen abzulenken, befindet sich das Land seit Jahren in einem dauerhaften Ausnahmezustand. So gab es 2025 den schwersten militärischen Konflikt mit Pakistan seit Jahrzehnten.
Im Schatten der militärischen Eskalation führte Indien gleichzeitig im Landesinneren die grösste Sicherheitsoffensive gegen die naxalitischen Rebellen. Hinzu kommen die dauerhaften Spannungen gegenüber religiösen Minderheiten. Wer nicht Teil der hinduistischen Mehrheitsgesellschaft ist, ist in der Regierung kaum vertreten. Hinzu kommen regelmässige Übergriffe bis hin zu lokalen Pogromen beispielweise gegen die muslimische Minderheit.
Mittlerweile solidarisieren sich auch verschiedene Parteien aus der Opposition mit den Protesten. Ob sich die Bewegung weiter ausweiten wird, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.
















