Am 14. September soll der Anarchist Nikos Maziotis nach 14 Jahren Haft entlassen werden. Mit sechs Jahren, die ihm für Arbeit im Gefängnis gutgeschrieben wurden, gilt seine 20-jährige Strafe als abgesessen. Sieben Mal hatte das Gericht seinen Antrag auf vorzeitige Entlassung abgelehnt, sieben Mal hatte Nikos klargemacht, dass er nichts bereue. Bei einer Anhörung antwortete er auf die Frage, ob er «resozialisiert» worden sei: «nicht einmal in einer Million Jahren».

Am 13. Januar 1998 wurde Nikos festgenommen, nachdem seine Fingerabdrücke an einer Bombe gefunden worden waren, die am 5. Dezember 1997 vor dem griechischen Industrie- und Entwicklungsministerium platziert worden war. Er bekannte sich offen zur Tat, führte einen politischen Prozess über revolutionären Anarchismus und kam nach dreieinhalb von 15 Jahren wieder frei.

Der «Revolutionäre Kampf» (Epanastatikos Agonas) entstand 2003, ein Jahr nachdem die Gruppe «17. November» nach fast drei Jahrzehnten zerschlagen worden war. Mit dem Ende von «17. November» schien der bewaffnete Kampf in Griechenland erledigt. Der «Revolutionäre Kampf» war die erste Gruppe, die ihn wieder aufnahm. Sie sah sich als bewaffneter Arm einer sozialen Revolte. Im Januar 2007 feuerten sie eine Panzerfaust auf die US-Botschaft in Athen und wurden damit zur bekanntesten militanten Organisation des Landes.

2009 explodierte eine Autobombe vor der Athener Börse, im April 2014 eine weitere vor einem Gebäude der Bank of Greece, in dem auch der Internationale Währungsfonds sass. Bei keinem dieser Anschläge starb ein Mensch. Dennoch war der Fahndungsdruck enorm.

Im März 2010 wurde Lambros Foundas, bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet. Kurz darauf wurde Nikos festgenommen, kam 2011 wieder frei und tauchte unter. Am 16. Juli 2014 erkannte ihn eine verdeckte Ermittlerin trotz Perücke im Zentrum Athens. Im Schusswechsel in Monastiraki wurden ein Polizist und zwei Touristen verletzt, Nikos selbst traf ein Schuss in die Schulter. Zwei Jahre später erhielt er lebenslang plus 129 Jahre.

Nikos erkannte konsequent die Legitimität der Gerichte nicht an, übernahm die volle politische Verantwortung für die Taten des Revolutionären Kampfes und nutzte die Prozesse für politische Erklärungen. Nach allen Instanzen und der Strafrechtsreform von 2019 blieben 20 Jahre übrig.

Zum Fall gehört auch der wohl spektakulärste Befreiungsversuch in Griechenland. Am 21. Februar 2016 zwang Pola Roupa einen Hubschrauberpiloten, das Gefängnis Korydallos anzufliegen, um ihren Partner zu befreien. Der Pilot wehrte sich, die Maschine ging zu Boden, Roupa entkam. Erst im Januar 2017 wurde sie in einer Athener Wohnung festgenommen, den sechs-jährigen Sohn an ihrer Seite. Das Kind kam in eine geschlossene psychiatrische Abteilung unter Polizeibewachung, zunächst ohne Besuchsrecht für Grossmutter und Tante. Erst ein Hunger- und Durststreik der Eltern erzwang die Übergabe an die Familie.

I would not change my political and activist choices in the slightest, even if I could turn back time.
From the bottom of my heart, I thank all my comrades, everyone who stood in solidarity with us in any way over all these years, with us, the members of Revolutionary Struggle, who remained faithful to the choices of struggle we made.
NO RECONSIDERATION, NO REPENTANCE
LONG LIVE REVOLUTIONARY STRUGGLE
HONOR FOREVER TO COMRADE LAMBROS FOUNTAS
September 2, 2026
Domokos Prison, Nikos Maziotis

Bild: Lambros Fountas

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